Archive for September, 2009

Sep 19 2009

„Jugendblaskapelle Wolkendorf“ feierte 30-jähriges Jubiläum

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Eine ordentliche und gut eingespielte Blaskapelle zählte noch vor wenigen Jahrzehnten zu jenen Institutionen, die aus dem sozialen und kulturellen Leben eines siebenbürgischen Dorfes überhaupt nicht wegzudenken waren. Das galt in ganz besonderer Weise auch für die kleine Gemeinde Wolkendorf im Burzenland, war doch aus ihrer Mitte der weit über die Grenzen Siebenbürgens hinaus bekannte Kapellmeister und Komponist Martin Thies hervorgegangen, dessen Vermächtnis zu pflegen sich seine Landsleute stets verpflichtet fühlten.

So wurde in Wolkendorf immer viel Wert auf die Heranbildung des musikalischen Nachwuchses gelegt, und für Kinder und Jugendliche galt es als besondere Auszeichnung, bei den „Musikanten“ mitspielen zu dürfen. 1979 gründeten Hans Fröhlich und Hugo Domokosch eine Jugendblaskapelle, um die jungen Bläser gezielt auszubilden, zu fördern und an das „große“ Blasorchester heranzuführen.

Heute leben die jungen Leute von damals fast ausnahmslos in der Bundesrepublik, aber sie haben sich nicht aus den Augen verloren und die Musik steckt ihnen immer noch im Blut. Unter der Leitung von Hans Fröhlich treffen sie sich regelmäßig, um gemeinsam zu proben, und wenn sie in den letzten Jahren bei verschiedenen Veranstaltungen als „Blaskapelle der Heimatgemeinschaft (HG) Wolkendorf“ auftraten, fanden nicht nur die eigenen Landsleute Gefallen an dem umfangreichen Repertoire und dem gekonnten Vortrag.

Mitte August dieses Jahres feierte nun die Wolkendorfer „Jugendblaskapelle“, der heute etwa 20 nicht mehr ganz so jugendliche Herren angehören, ihr dreißigjähriges Bestehen mit einem Jubiläumsfest in der alten Heimat.

Etwa 70 Personen – Mitglieder der Blaskapelle mit ihren Familien, Freunden oder Bekannten – waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Das evangelische Erholungsheim von Wolkendorf bot denjenigen, die nicht bei Familienangehörigen oder Freunden unterkommen konnten, ein komfortables Quartier mit genügend Raum zum geselligen Beisammensein und war gleichzeitig auch der Ausgangspunkt für vielerlei Ausflüge, Wanderungen oder Besichtigungsfahrten in die nähere Umgebung.

Die von HG-Vorstand Klaus Guess und seiner Stellvertreterin Inge Petyan mit organisierte und sorgfältig vorbereitete Jubiläumsfeier begann am Sonntag, dem 16. August, mit einem gut besuchten Festgottesdienst, für dessen musikalische Mitgestaltung die Blaskapelle sorgte. Anschließend begaben sich die Anwesenden geschlossen auf den Friedhof, um in einer Feierstunde Martin Thies, den berühmten Sohn der Gemeinde, zu ehren und an dessen Grabstätte eine von der Heimatgemeinschaft gestiftete Gedenktafel anzubringen. Enthüllt wurde diese von der zwölfjährigen Verena Zimmermann, einer Ur-Urenkelin des Komponisten, die ihr Vater Torsten Zimmermann (ein begabter Trompeter, der – das versteht sich – von Beginn an in der Blaskapelle dabei war) in die Heimat ihrer Vorfahren mitgenommen hatte.

Nach dem besinnlich-ernsten Festprogramm folgte der fröhlich-gesellige Teil der Veranstaltung. Angeführt von der Blaskapelle, marschierte man im Festzug zum Wolkendorfer Gemeindesaal, wo die Bläser mit dem bekannten „Seminaristenmarsch“ von Martin Thies eine abwechslungsreiche musikalische Darbietung eröffneten, die nicht nur zum andächtigen Lauschen, sondern auch zum Tanzen und Mitsingen einlud. Auch kulinarisch stand der Tag ganz im Zeichen der heimatlichen Tradition: Bei Grillsteaks und „Mici“, bei duftendem Kaffee und knusprig- frischem Baumstriezel ließ es sich gut feiern, und auch für ein gutes Gespräch fand sich ausreichend Zeit. Die aus dem fernen Deutschland zu Besuch gekommenen Wolkendorfer und die etwa 30 noch „Daheimgebliebenen“, die zirka 70 Gäste und Ehrengäste aus den Nachbargemeinden Neustadt, Weidenbach und Kronstadt – sie alle verbrachten einen heiter-unbeschwerten Sommertag miteinander, der manch einen an ein Dorffest früherer Tage erinnerte.

Ute Rill

Wolkendorfer Blaskapelle vor dem “Konfirmandenzimmer”. Foto: Hans Rill

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Sep 03 2009

Ein Sommer in Wolkendorf

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Der Sommer nimmt auch dieses Jahr sein Ende und nun heißt es, gesammelte Eindrücke zu bündeln. In diesem Jahr konnte man so einiges in Wolkendorf erleben von Arbeitscamp zu Zeltlagern.
Als der Sommer seine schönsten und wärmsten Tage erreichte, hieß es für Jugendliche aus den Kirchengemeinden Wolkendorf und Heltau, Zelt, Schlafsack, Löffel und Gabel einzupacken - und es ging los. Zusammen mit Diakon Mario Dietze und der Partnerjugend aus der Meissner Gegend traf man in Schäßburg aufeinander, um das erste Ziel anzupeilen.
Wie bei Begegnungen vergangener Jahre üblich, stand auch diese Zeltreise unter einem Thema: „Meine Träume in unserem Europa“. Man erfuhr über den Traum allgemein, welche Rätsel er der Wissenschaft aufwirft und was er aus psychologischer Sicht bedeutet. Aber auch mit Träumen einiger Gestalten der Bibel (Abraham, Josef oder anderer), beschäftigten wir uns. Träume konnten nur von besonderen Menschen gedeutet und entschlüsselt werden. Das Thema war auf jeden Fall von Interesse, da die jungen Leute ständig so ihre Träume haben.
Ein Ziel dieser Begegnung war auch, dass sich deutschsprachige Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen trafen, um gemeinsam Menschen in ihren Tra-ditionen und Kulturen kennenzulernen. Die Jugendlichen sollten durch das gemeinschaftliche Erleben von Kultur wie Trachten, Musik und Handwerk, sich den multikulturellen Raum eines vereinigten Europa vergegenwärtigen. Sie sollten positiv in ihrem Denken über die Europäische Union und die jüngste Osterweiterung der EU eingestimmt werden und das Zusammenleben der einzelnen Völkerschaften in der Europäischen Union als ihre Chance betrachten.
Zuerst ging es zu den Szeklern. Man zeltete an dem schönen See Bezidu Nou. Er überflutete 1989 ein ganzes Dorf. Heute guckt nur noch der Kirchturm aus dem See. Es ging zu Burgen und Schlössern, und wir besuchten das Salzbergwerk Praid und die Töpfersiedlung Korond.
Auf Burzenländer Tradition stießen wir beim Waldgottesdienst im Geisterwald bei Nussbach. Alle Gemeinden des Burzenlandes reisten im Geisterwald an, um im Freien einen Gottesdienst abzuhalten. Die Jugendlichen reisten mit ihren Zelten schon vorher an und bereiteten so den Platz für den Gottesdienst vor.
Aus dem Geisterwald ging es zur Mágura im Königsteingebirge, wo uns Herr Hermann Kurmes erlaubte, auf dem Grundstück der schönen Villa Hermani, die er führt, zu zelten. Von da aus konnten wir sehr schöne Wanderungen starten und erlebten die wilden Tiere in freier Bahn oder den einen oder anderen Hirten, der mit seinen Schafen über die Auen zog. Jedoch nicht alle wagten bei Wind und Wetter den Aufstieg zum Kleinen Königstein mit einer Höhe von ca. 2000m.
Zufrieden, vielleicht ein bisschen erschöpft kamen die Leute schließlich jeder in seinem zu Hause wieder an. Gerne erinnerte man sich auch nachher an die Tage, an denen deutsche, sächsische oder rumänische Wörter lustig durcheinander klangen.
Daraufhin erfolgte der Besuch Jugendlicher aus der Schweiz mit ihrem Pfarrer Thomas Dummermuth gemeinsam mit Jugendlichen aus Sächsisch Regen mit Pfarrer Zorán Kézdi, seit neuestem Stadtpfarrer in Heltau. Freiwillig arbeiteten sie in der Kirchenburg Neustadt. Sie misteten am Friedhof aus oder tätigten auf Anweisung des Herrn Kurators Erhard Porr Gärtnereiarbeiten im Hof der schönen Neustädter Kirchenburg.
Zu einem Arbeitscamp unter der Leitung von Christian Draghici aus Heltau fanden sich auch Jugendliche aus London, Leipzig und Heltau in Wolkendorf ein. Diese Treffen finden schon seit den neunziger Jahren in den drei Ländern England, Ostdeutschland und Rumänien abwechselnd statt. Sie haben schon Tradition. Jedes Jahr trifft man sich einmal, um Arbeiten zu verrichten, die unter dem Leitspruch der Gemeinnützigkeit stehen. In diesem Jahr hatten wir das Glück, die Gruppe in Wolkendorf zu empfangen. Freiwillig strichen die Jugendlichen die Kornkammern der altehrwürdigen Kirchenburg in Wolkendorf an, so dass sie jetzt in einem frischen Weiß erstrahlen. Auch auf dem Friedhof wurde viel gearbeitet. Von den renovierungsbedürftigen Gruften, wurde der Verputz, der schon am Bröckeln war, komplett abgeschlagen.
Aber es wurde nicht nur gearbeitet, sondern man unternahm auch schöne Ausflüge in die Umgebung. Unvergessen bleibt der Badetag am Sankt Anna See oder der Nachmittag und der Abend in Deutsch-Weißkirch. Das Abendessen bei Familie Fernolend in Weißkirch kann sicher als einer der Höhepunkte dieser Begegnung betrachtet werden - und so erfuhr die sommerliche Träumerei einen „geschmackvollen“ Ausklang.

Uwe Seidner
Wolkendorf

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