Einweihung der Eiskirche am Bulea-See

Am Freitag, dem 22. Januar, wurde die Eiskirche am Bulea von Geistlichen vier verschiedener Konfessionen eingeweiht: von der römisch-katholischen Kirche kamen Olivier Keresztes und Gheorghe Buciuman aus Kronstadt, von der griechisch-katholischen Stefan Crisan aus Girelsau, von der orthodoxen Ioan Chidu aus Freck. Von Seiten der evangelischen Kirche wurde die Einweihungshandlung von Stadtpfarrer Kilian Dörr / Hermannstadt und Pfarrer Uwe Seidner / Wolkendorf durchgeführt.

Wetterbedingt musste die Einweihung der Eiskirche, die nun schon im vierten Jahr ihr Bestehen feiert und dadurch zur Tradition geworden ist, mehrere Male aufgeschoben werden. Das lange Warten hat sich aber gelohnt: mit sagenhaftem Wetter und einer klaren Aussicht nach den Bergen wurden wir belohnt.

Die Mitglieder der Familie Klingeis, die die Hütte am Bulea-See betreiben, und somit auch jedes Jahr das Eishotel und die Eiskirche errichten lassen, waren erleichtert, dass dieses Ereignis endlich stattfinden konnte. Auf Wunsch der Familie soll die Kirche der Ökumene dienen.

Die Eisblöcke wurden aus dem zugefrorenen See herausgeschnitten. Jede Konfession sollte sich in dieser Kirche beheimatet fühlen. So ist es auch selbstverständlich, dass der Eistempel im Beisein der Vertreter der historischen Kirchen geweiht wurde.

Der Gedanke, am Gipfel des Berges einen geweihten Ort zu haben, wo man beten, singen oder meditieren kann, ist für mich selbst ein schöner Gedanke. Wenn man die Heilige Schrift durchgeht, wird man merken, dass der Mensch stets den Gipfel des Berges, die Höhen der Gebirge aufgesucht hat, um näher bei Gott zu sein. Immer wieder hatte das Volk Israel seine Höhenheiligtümer. Mose stieg auf den Berg Sinai um Gott zu treffen.

Am Vergangenen Sonntag feierten wir den letzten Sonntag nach Epiphanias. Es ist der Sonntag, an dem die Verklärung Jesu gefeiert wird. Dieses Fest ist ein bindendes Glied zwischen den Konfessionen, die alle einen großen Wert auf dieses Fest legen. Jesus steigt mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg. Nach einigen soll es der Berg Tabor gewesen sein. Dort leuchtet das Antlitz Jesu in einem hellen Schein auf, und die Stimme Gottes spricht aus den Wolken: Dies ist meine lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.

Eines stimmt uns aber bei der Eiskirche nachdenklich. Sie ist der Vergänglichkeit anheimgestellt. Wenn das Frühjahr kommt schmilzt sie. Das war für die orthodoxe Schwesterkirche in den vergangen Jahren Grund genug, nicht an der Einweihung dieser Kirche teilzunehmen.

Die Kirche schmilzt zwar wenn das Frühjahr kommt, aber im nächsten Winter wird sie wieder aufgebaut. Als die Israeliten aus Ägypten auszogen und durch die Wüste gingen, schlugen sie jedes Mal, wenn sie eine Rast einlegten, auch ein kultisches Zelt auf, die Stiftshütte, in der sie sich zum Gebet und Gottesdienst versammelten. Als sie dann weiterzogen, wurde das Lager aufgelöst und die Stiftshütte abgebrochen, um am nächsten Ort wieder aufgebaut zu werden. Die Stiftshütte der Israeliten in der Wüste ist für uns die Eiskirche. Sie hält bis die warmen Temperaturen sie zum Schmelzen bringen; aber wenn es dann wieder kalt genug ist, wird sie in der herrlichen Schöpfung Gottes wieder aufgestellt, um jenen Gläubigen zu dienen, die die Höhe suchen. Die Kirche aus Eis ist nicht für die Ewigkeit bestimmt, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.

Uwe Seidner /

Wolkendorf

Ökumenische Gebetswoche

Vom 18. zum 25. Januar 2010 fand in Kronstadt die Ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christenheit statt. Geistliche der historischen Konfessionen nahmen daran teil. Gemeinsam mit Dechant Christian Plajer, Kurt Boltres und Peter Demuth durfte ich an den verschiedenen Gottesdiensten teilnehmen. Die Gebetswoche ist ein Schritt zur geistlichen Verbundenheit der Kirchen.

Als ich von der ökumenischen Gebetswoche hörte, erinnerte ich mich sofort an Früher. Man feierte sie schon vor der Wende in Stadt und Land. Jeden Abend wurde in Stolzenburg ein Gottesdienst abgehalten. Manchmal kam der evangelische Pfarrer aus Kastenholz, oder ein orthodoxe Theologe aus Hermannstadt, der sogar auf Deutsch predigte, da er die Sprache beherrschte, oder der römisch-katholische Stadtpfarrer aus Hermannstadt. Für mich als junger Christ, der ich die Farbenpracht liebte, waren diese ökumenische Gottesdienste hoch interessant, obwohl ich vielleicht nicht allzu viel verstand. Es mussten aber viele Jahre vergehen, bis ich eine ökumenische Gebetswoche wieder erleben durfte. Dann kam die Wende. Der Pfarrer aus Kastenholz kam nicht mehr; er ist ausgewandert. Die Leute der Gemeinde, die einen solchen Gottesdienst hätten besuchen sollen, waren auch nicht mehr da…

Wir schreiben nun das Jahr 2010 und in Kronstadt trifft man sich jeden Abend in den Kirchen der historischen Konfessionen, um gemeinsam für die Einheit der Christen zu beten. Auf das Wort „historische Kirche“ wird besonderer Wert gelegt. Siebenbürgen war schon europäisch knapp 500 Jahre vor der Europäischen Union. 1568 wurde in Thorenburg der Grundstein für religiöse Toleranz gelegt. Das Edikt von Thorenburg gewährte Katholiken, Lutheranern, Calvinisten (Reformierte), Unitariern und Orthodoxen (als tolerierte Religion) die gleichen Rechte. Das war für die damalige Zeit etwas Einzigartiges. Geistliche und Christen der erwähnten Konfessionen treffen sich also in unserer modernen Zeit, um für eine Einheit zu beten.

Die diesjährige Gebetswoche stand unter dem Motto: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen“ (Luk 24,48).

Seit 1968 werden die jährlichen Themen und Texte von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern und Vertreterinnen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) erarbeitet. Im Mittelpunkt steht ein biblisches Leitthema.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus, begleitete auch unsere ökumenische Begegnung. Wie erwähnt, waren wir jeden Abend zu Gast in einer anderen Kirche. Wir besuchten die Katholiken, die Ungarisch-Evangelischen, die Unitarier, die Reformierten, die Orthodoxen und Griechisch-Katholischen. Von unserer Seite waren die Schwarze Kirche und die Bartholomäuskirche Gastgeberinnen. Die Gottesdienste waren sehr gut besucht. Da die Bänke besetzt waren, mussten die Gemeindeglieder auch noch im Eingang stehend den Gottesdienst mitverfolgen. Wahrscheinlich sind die Kirchen nur zu Heilig Abend und beim Gottesdienst der Ökumenischen Gebetswoche so voll…

Den Abschluss fand die ökumenischen Gebetswoche in der griechisch-katholischen Kirche. Die Predigt hielt Pfarrer Kurt Boltres. In seiner Predigt erwähnte er, dass die Nachbarn mittlerweile andere gewordene sind. Sachsen sind ausgewandert, Ungarn wie Rumänen haben im Ausland eine bessere Zukunft gesucht. Nun sind neue Nachbarn da. Man kennt sie nicht, aber als Nachbar muss man sich doch irgendwann mal kennenlernen. Es kommt die Zeit, dass man auf den Nachbarn eingeht und ihm Gastfreundschaft anbietet. Gute Nachbarn sind immer wichtig. So ergeht es uns auch mit unseren konfessionellen Nachbarn. Eine Woche lang durften wir Gäste und Gastgeber sein. Die Gastfreundschaft durfte vor allem nach den Gottesdiensten erfahren werden, weil die Geistlichen jeden Abend anderswo ins Gespräch kamen. Ob nun rumänisch, deutsch oder ungarisch gesprochen wurde, Hauptsache es wurde gesprochen. Man teilte Erfahrungen aus. Es wurde kommuniziert…

Tatsache ist, wir kommen aus verschiedenen Traditionen und Kulturkreisen. Wie will man eine Einheit finden, wenn man so unterschiedlich ist? Christus sprengt alle Kulturkreise. Das hat schon der Apostel Paulus feststellen müssen. Eine Einheit kann man auch in der Vielfalt finden. Allein Christus und der Glaube an seine Auferstehung kann alle Grenzen sprengen und Christen zusammenführen.

Uwe Seidner / Wolkendorf

Seminar des Ökumenischen Jugendrates in Skopje / Mazedonien

Vom 15. – 22. November 2009 fand in Skopje / Mazedonien ein Treffen des Ökumenischen Jugendrates in Europa (EYCE) statt. Auf der Tagesordnung stand das Thema: „Fundamentalismus kontra Menschenrechte“. Zu diesem Seminar reisten Teilnehmer aus mehren Ländern an: Dänemark, Litauen, Lettland, Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich, Schweiz und sogar eine Teilnehmerin aus der USA. Zusammen mit Hans-Bruno Roth / Schässburg und Tibor Konrad / Heltau nahm ich bei diesem Seminar teil.

Der Ökumenische Jugendrat, mit Sitz in Brüssel, lädt regelmäßig junge Christen aller Konfessionen ein, um sich mit einem bestimmten Thema auseinanderzusetzen. Dieses mal waren auch Moslems dabei und so entstand ein interreligiöser Dialog. Das Thema, um das man sich sammelte, lautete: „Fundamentalismus kontra Menschenrechte“.

Der Ökumenische Jungendrat hat 2008 eine Kampagne zur Vorbeugung von Fundamentalismus in Zusammenarbeit mit dem Forum islamischer Jugend- und Studentenorganisationen in Europa (FEMYSO) gestartet. Der Fundamentalismus ist in den vergangenen Jahren in Europa zu einer zunehmenden Bedrohung geworden. Die Menschenrechte eines jeden Einzelnen sind in Gefahr. Genau so können Landesregierungen Menschenrechte ignorieren, indem sie den Schutz der Rechte verschiedener Minderheiten verweigern oder die Regeln für die Einreise von Ausländern verschärfen mit dem Argument dadurch die Werte des Landes zu schützen. Es kommt zu Diskriminierung.

EYCE hat nun eine Kampagne gestartet, durch die Vorurteile und Diskriminierung überwunden werden sollen. In Ausbildungskursen sollen junge Christen vorbereitet werden verschiedene Mittel anzuwenden um die Menschenrechte zu schützen. Sie sollen Multiplikatoren dieser Werte werden. Das wichtigste Ziel der Ausbildung ist der konstruktive Dialog. Nur so kann die Zusammenarbeit verschiedener Völker, Kulturen und Religionen gefördert werden: eine Zusammenarbeit im Auftrag der Menschheit und der Menschlichkeit.

In Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, in der auch die selig gesprochene Mutter Theresa ihren Geburtsort hat, fand nun das dritte interreligiöse Treffen der Kampagne statt. In Volos / Griechenland und Pogradec / Albanien hat man sich die vorigen Male zusammengesetzt und die ersten Bausteine gelegt.

Berichterstattung, Arbeitseinheiten und Vorträge füllten das Tagesprogramm aus. Sehr interessant waren all die Berichte der Teilnehmer über Minderheitenproblematik, die Menschrechte, aber auch über den religiöse Fundamentalismus in den verschiedenen Ländern. Durch verschiedene Übungen wurden wir der Realität in verschiedenen Ländern ausgesetzt. So zum Beispiel mussten wir als Immigranten vor einem „französischen Kommissar“ die Beweggründe unserer Flucht aus dem eigenen Land und der Asylbewerbung in dem europäischen Land aufzuzeichnen. Das kann sich als sehr schwierig gestalten: „Eine bessere Zukunft für meine Kinder…“ So eine Aussage gilt nicht. Auch mit der Frage nach dem Minarettverbot in der Schweiz setzten wir uns auseinander. Es ist schwierig eine pro oder kontra Antwort zu geben. Die Frage wurde zur Wahl gestellt, was natürlich demokratisch ist. Die Bevölkerung hat entschieden…

Sehr intensiv lernten wir die fremden Kulturen und Nationen am Länderabend kennen: kulinarisch und musikalisch. Aus jedem Land wurden Spezialitäten aufgetischt und das Land vorgestellt. Aus Siebenbürgen durfte natürlich der Speck mit Zwiebeln und die Zakuska nicht fehlen.

Obwohl die Moslems bei dem Seminar in der Minderheit waren, mussten wir sehr viel Rücksicht auf sie nehmen. Sie haben ja fixe Gebetszeiten die eingehalten werden müssen. Dabei frage ich mich: zur Akzeptant gehört nicht auch dass man sich auch nach der Mehrheit richtet bzw. Rücksicht auf die anderen nimmt? Wir als liberale Evangelische würden doch sofort sagen, dass die Zeiten doch flexibel sein sollten. Der Mensch ist ja nicht für den Sabbat geschaffen, sondern der Sabbat für den Menschen…

Obwohl es nur einige islamische Teilnehmer gab, ist der Balkan doch das Gebiet des sogenannten „Euro-Islam“. Ein großer Teil der Bevölkerung im Balkangebiet ist muslimisch. Die Osmanen, die 500 Jahre in diesen Gebieten das sagen hatten, haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. So gehört heute ein großer Teil der bosnischen, albanischen und mazedonischen Bevölkerung dem Islam an. Das erklärt auch die Tatsache, dass die Altstadt von Skopje von Minaretten gespickt ist.

Auf dem Programm stand auch ein Moscheebesuch bzw. die Teilnahme an einem islamischen Gottesdienst. Es war Freitag Mittag als ich das erste mal sich richtig das Balkangefühl im regen Verkehrstreiben in Richtung Innenstadt spüren durfte. Es war spannend. Kaum hat man einen Parkplatz gefunden ertönte schon der Gebetsruf des Muezzin, der zeitgleich von mindesten acht verschiedenen Minaretten zu hören war. Im Nu wurden alle Läden geschlossen, jeder hörte mit dem auf was er gerade tat, legte alles hin und eilte zu einer der vielen Moscheen. Irgendwie erinnerte mich das rege Treiben an eine Geschichte aus meiner Kindheit…

Wir drei Siebenbürger begaben uns in eine große Moschee. Zuerst zogen wir uns aber die Schuhe aus. So gehört es sich. Unheimlich viele Männer waren präsent. Die gelebte Frömmigkeit der Muslimen ist sehr beeindruckend. Es taten sich uns aber doch viele Fragezeichen auf. In vielen verschiedenen christlichen Kirchen Europas würde man sicherlich von so einer Präsenz träumen…

Der Ausflug in die Berge Mazedoniens soll nicht unerwähnt bleiben. Diese sind nämlich wunderschön und der Tag am Stausee zu dem wir fuhren, hat sich auf jeden Fall gelohnt, obwohl der Busfahrer, mit dem wir da hingefahren sind, uns da hat sitzen lassen. Vielleicht war ihm eingefallen, dass noch eine weitere Gruppe in Skopje chauffiert werden muss. Das war nicht so schlimm, da wir ja diese malerische Landschaft mit dem Fluss, der einen Canyon in die Berge gefressen hat, und der in einem Stausee mündet, vor uns hatten. Kann es möglich sein, dass ich dieses Bild in den schönen alten Winnetoufilmen, die in den sechziger Jahren im damaligen Jugoslawien gedreht wurden, schon mal gesehen habe?

Der Tag nahm doch einen guten Ausgang. Mit Verspätung aber mit Taxis, kamen wir doch noch zu einer Einrichtung in Skopje, die den interreligiösen Dialog fördert. Nach dem Bürgerkrieg im Balkan war das eine sehr heikle Sache. Trotzdem arbeiten diese Leute seit einigen Jahren erfolgreich an verschiedenen Projekten und werden sogar von der Europäischen Union gefördert. Es wird noch so einiges in Mazedonien gefördert, da sie Anwärter für die Aufnahme in die Europäische Union sind.

Es könnte noch sehr viel gesagt werden zu all dem erlebten. Abschließend möchte ich nur noch folgendes sagen: einen interreligiösen Dialog führen zu können ist ein guter Ansatz Vorurteile und Diskriminierung aus der Welt zu schaffen. Dabei sollte man aber nicht vergessen Profil zu zeigen. Wenn alles zu schwammig wird, wird man nicht ernst genommen. Man führt einen Dialog, aber die eigenen Werte müssen genauso wie die der Moslems o.a. im Vordergrund bleiben. Damit ein Dialog überhaupt existieren kann, muss dieser auf gleicher Ebene, aus gleichen Positionen geführt werden. Wir sind berufen die christlichen Ideale zu vertreten und das sollen wir auch tun. Man muss nicht nur den anderen, den Fremden akzeptieren, man muss auch selber von den anderen akzeptiert werden.

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Uwe Seidner / Wolkendorf

Im Zeichen der Ostbegegnung

Eine Reise zu evangelischen Gläubigen in Russland

von Uwe Seidner / Wolkendorf

Im September machten sich sieben evangelische Jugendliche und Studenten zusammen mit Pfarrer Dr. Stefan Cosoroaba / Michelsberg und Pfarrer Uwe Seidner./ Wolkendorf auf den Weg in Richtung Osten. Es hieß Kontakt aufnehmen zu Vertretern der Evangelischen Kirche Russlands und anderer postsowjetischen Staaten (ELKRAS). Die Frage, wie deutsches Erbe in anderen ehemaligen kommunistischen Ländern überlebt hat und welches die aktuelle Situation ist, beschäftigte uns auch.

Seit einigen Jahren gibt es in unserer evangelischen Kirche einen Austausch mit der evangelischen Kirche der Ukraine. Gedacht war nun diese Begegnung noch ein Stück auszuweiten, da einer der Hauptträger, Dr. Edmund Ratz, aus Odessa nach Sankt Petersburg umgesiedelt ist und das Amt als Erzbischof bekleidet. Nun soll die Ostbegegnung auch in diese Richtung ausgeweitet werden. Ein konkretes Vorhaben in nächster Zukunft ist der Kirchengemeinde in Moskau ein Taufbecken aus Siebenbürgen zu spenden. Die Renovierungsarbeiten der Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau wurden knapp vor einem Jahr fertiggestellt und die Kirche neu eingeweiht.

Die Reise sollte uns zuerst durch Ostpreußen führen. Auf den Spuren des Deutschen Ritterordens, die 1225 aus dem Burzenland abziehen mussten, da ihr Plan, einen eigenen Ordensstaat zu gründen, vom ungarischen König Andreas II. durchschaut und vereitelt wurde. Nur fünf Jahre später, 1230, verwirklichten sie ihr Vorhaben. Entlang der Flüsse Weichsel und Nogat stieß der Deutsche Orden immer weiter in Richtung Ostsee um die heidnischen Pruzzen zu christianisieren. Heute noch erinnern die mächtigen Burgen und mittelalterlichen Städte - Thorn, Geburtsstadt von Kopernikus, Graudenz, Marienwerder oder der Sitz des Hochmeisters: die Marienburg – durch die wir kamen, an die Zeit der Deutschordensritter. Vorwiegend Siedler aus deutschen Hansestädten wurden hierhin geholt, um die Infrastruktur des Landes aufzubauen.

In Danzig machten wir halt. Unverkennbar ist, dass Danzig einer der vielen Städte an der Ostsee war, die zum Hansebund gehörte. Wenige Tage vor unserer Ankunft in Danzig, wurde hier im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem russischen Premier Wladimir Putin und dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyński dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf der Westerplatte gedacht. Am 1. September 1939 begann hier der deutsche Angriff auf Polen.

Im Hafen von Danzig

Einblick in die Königsberger Gemeinde

Es ging weiter in die russische Exklave Königsberg / Kaliningrad, umgeben von Staaten der Europäischen Union. In Königsberg trafen wir auf unsere Gastgeber im evangelischen Gemeindezentrum. In Königsberg waren wir bei Gemeindegliedern verteilt untergebracht. So hatten wir die Möglichkeit einen tieferen Einblick zu erhalten. Vormittags feierten wir zusammen mit den Angestellten der Kirchengemeinde Andacht, gehalten von Pastor Alexander Burgart. Im Anschluss kam man ins Gespräch über die Situation und über die Menschen, die zur Kirchengemeinde gehören. Der größte Teil ist nach dem Fall des eisernen Vorhangs nach Deutschland ausgewandert. Einige sind aber geblieben. Der Hausmeister des Gemeindezentrum Alexander Walger erzählte von seinen Beweggründen, wieso er in Königsberg geblieben ist. Königsberg muss noch in preußischer Zeit eine sehr schöne Stadt gewesen sein. Einiges hat den Kommunismus überdauert, so wie die ehemalige evangelische Kirche, wo sich auch das Grab vom berühmten Philosophen Immanuel Kant befindet, oder einige Stadttore und Befestigungen. Aber sehr vieles ist leider in der Breschnew-Zeit verloren gegangen. Man kann nur noch erahnen welche Pracht die Stadt einst trug. Erstaunlicher Weise ist der Name Königsberg nicht mehr so tabu, wie früher. Die neue Generation der Russen die dieses Gebiet nun bewohnen suchen immer mehr nach den alten Wurzeln und es gibt sogar eine Initiative, die vorhandene Bausubstanz zu erhalten. Vieles wurde auch von Deutschland auch restauriert, so wie die evangelische Kirche, die aber als Konzertraum zur Zeit genutzt wird. Die Kirchengemeinde selber musste sich auf dem „Prospekt Mira 101“ eine neue Kirche mit Gemeindezentrum aufbauen. Zur Zeit wird die Gemeinde vor allem auch von der Partnergemeinde Kiel aus Deutschland getragen. Von Probst Jochen Löber, erfuhren wir über die Schwierigkeiten, mit denen man sich im Alltag auseinandersetzt.

Vor der evangelischen Probsteikirche auf dem Mira Prospekt 101 in Königsberg

Im ehemaligen  Königsberger Dom, der nun als Konzertsaal dient, fand Immanuel Kant seine letzte Ruhe

Evangelische in den baltischen Ländern

Von Königsberg ging es weiter über die Kurische Nehrung, zwischen Ostsee und Frischen Haff, Richtung Baltikum. Mit der Fähre überquerten wir den Fluss Memel und machten erst in Riga wieder halt. Die Stadt Riga wurde 1201 als Hauptstadt von Livland an der Düna von Bischof Albert von Bremen gegründet. In Riga trafen wir den Auslandspfarrer der EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) Martin Grahl und besuchten die Theologische Fakultät. Die Fakultät befindet sich genau am Domplatz, gegenüber des Doms, wo der Gründer der Stadt zur Ruhe gebettet wurde, und wo Johann Gottfried Herder einst in der Domschule unterrichtete.

Von Riga ging es weiter nach Estland. In der Hauptstadt Estland Reval / Tallinn nächtigten wir. Beeindruckend sind die 27 Türme und ihren Wehrmauern die über dem baltischen Meer thronen. Diese Befestigung war im Mittelalter sicher überlebenswichtig, so wie auch unsere Kirchenburgen in Siebenbürgen. In Reval trafen wir Meelis Süld. Er ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche, und gleichzeitig für ein Radio tätig. Von ihm erfuhren wir auch einiges über die Russen in den baltischen Ländern. Es gibt eine große russische Minderheit in Estland. Viele davon haben einen „grauen Pass“, da sie die Sprachprüfung nicht bestanden oder abgelegt haben. Also wurde ihnen die Staatsbürgerschaft nicht zuerkannt.

Unsere Reise näherte sich nun ihrem Hauptziel: Sankt Petersburg.

Kurische Nehrung

Talinn, einst Reval

Bei Erzbischof Ratz in Sankt Petersburg

Sankt Petersburg ist am Fluss Newa unglaublich schön gelegen. Sehr imposant wirkten die Bauten vergangener Zaren auf uns. Die Evangelische Kirche Sankt Petri befindet sich direkt am Newski Prospekt im Zentrum der Stadt. In Kommunistischer Zeit war ein Schwimmbad in der Kirche untergebracht. Nachdem die Kirche wieder den rechtmäßigen Besitzer erhielt, war es eine unheimlich schwere Arbeit, dem Raum seinen Ursprung wieder zu geben. Im Erdgeschoss der Kirche, wo einst das Schwimmbad war, sind nun Büroräume des Bischofsamtes eingerichtet und im Obergeschoss die eigentliche Kirche. Obwohl die Generalsynode anstand, zu der Bischöfe, Pröbste und Pastoren aus ganz Russland, sowie europäischen als auch asiatische anreisten, nahm sich Erzbischof Edmund Ratz zeit für uns. Wir besichtigten die Ausstellung: „Deutsches Leben in Sankt Petersburg“ und Erzbischof Ratz erzählte uns unter anderem über das Thema der diesjährigen Generalsynode: „Grenzüberschreitende Gemeinschaft“. Das passte ja nur zu gut, zu unserem Vorhaben.

Die Reisgruppe vor dem Winterpalast in Sankt Petersburg

Eine Siebenbürgerin in Moskau

Von den Gräbern der Zaren auf der Petersburg ging es dann zum Lenin – Mausoleum nach Moskau. Unweit vom Kreml, der alten Befestigung Moskau, vor dessen Tore die Bolschewistischen Führer begraben liegen, befindet sich auch die Evangelisch – Lutherische Peter- und Pauls Kathedrale. In kommunistischer Zeit befand sich ei Dia-Film Studio drinnen. Frau Schweizer, die Amtsleiterin der Gemeinde, deren Arbeit wir auch unser russisches Visum zu verdanken haben, nahm uns in Empfang. Frau Schweizer, eine gebürtige Siebenbürgerin, ist mir ihrer Familie als fünfjährige vor der Roten Armee im Krieg nach Österreich geflohen. Arbeitsverhältnisse brachten sie schließlich nach Moskau.

Wir kamen pünktlich zum Abendessen an, wo schon die Pastoren aus den weiten Gebieten aus Russland angereist sind, um dann weiter geschlossen mit dem Nachtzug zur Generalsynode zu fahren. So lernten wir zum Beispiel Probst David Davidowitsch Röhrig kennen. Gleich nachdem der Grundstein der russischen evangelischen Kirche durch Bischof Kalnins gelegt wurde, der die Zeichen der Zeit, also der Perestroika, erkannte, besuchte Röhrig das Theologische Institut in Hermannstadt. In einem Intensivkurs wurden ihm die Grundlagen der Theologie beigebracht. Nun betreut er die Gemeinde im Ural, mit Hauptsitz in Perm. Die Gemeinden in seinem Kirchspiel liegen in einem Umkreis von 1000 km. Manche Lada musste auf den Gemeindebesuchen ihren Geist aufgeben. Ein weiterer Pastor den wir kennen lernten, Segej Wertholz ist als Russlanddeutscher in den neunziger Jahren nach Deutschland ausgewandert. Aber da hielt ihn nichts. Vier Tage lang musste er ununterbrochen unterwegs sein, um Urlaub an seinem Geburtsort im Ural zu machen. Nun dient er als Pastor in den Gemeinden von Baschkirien, im Südural.

Unsere letze Station Moskau hat viele Eindrücke hinterlassen, vor allem positive. Wir durften spüren, dass wir willkommen sind und das für unser Taufbecken aus Siebenbürgen ein Platz in der Kathedrale frei gehalten wird. Von unserer Seite wurde auch das Angebot in den Raum gestellt, eine Gruppe von Jugendlichen der EKRAS, seien diese nun aus Königsberg, Sankt Petersburg, Moskau oder aus dem Ural in Wolkendorf zu empfangen und zu beherbergen. Über Kiew ging es dann wieder nach Hause ins vertraute Siebenbürgen.

Die Reise nahm nach langen 6000 km ihr Ende, aber nicht die Ostbegegnung. Wir haben einen großen Schritt gewagt um Leute und ihre Umstände kennenzulernen. Wir haben feststellen können, dass im Osten nicht die althergebrachten Strukturen herrschen, da diese Kirche eine Neugründung erlebt hat. Zur Zeit hält noch die EKD ihre schützende Hand über diese junge Kirche. Welchen Beitrag könnten wir aus Siebenbürgen leisten?

Ich hoffe, dass die Ostbegegnung mit Gottes Hilfe auch weitere Früchte tragen wird. Schlussfolgernd möchte ich den Gedanken ausdrücken, dass gerade auch wir als nächste „Nachbarn“ gefragt sind Hilfe an die Glaubensgenossen im Osten weiter zu geben, sei es nun ein Taufbecken, ein Jugendaustausch oder eine Partnerschaft mit einer Gemeinde im Ural…

“Krasnaja Ploshad” Der rote Platz

Mit Frau Schweizer vor dem Portal der Pauluskirche. Da soll das Taufbecken seinen Platz finden.

Über den finnischen Meerbusen nach Helsinki

„Jugendblaskapelle Wolkendorf“ feierte 30-jähriges Jubiläum

Eine ordentliche und gut eingespielte Blaskapelle zählte noch vor wenigen Jahrzehnten zu jenen Institutionen, die aus dem sozialen und kulturellen Leben eines siebenbürgischen Dorfes überhaupt nicht wegzudenken waren. Das galt in ganz besonderer Weise auch für die kleine Gemeinde Wolkendorf im Burzenland, war doch aus ihrer Mitte der weit über die Grenzen Siebenbürgens hinaus bekannte Kapellmeister und Komponist Martin Thies hervorgegangen, dessen Vermächtnis zu pflegen sich seine Landsleute stets verpflichtet fühlten.

So wurde in Wolkendorf immer viel Wert auf die Heranbildung des musikalischen Nachwuchses gelegt, und für Kinder und Jugendliche galt es als besondere Auszeichnung, bei den „Musikanten“ mitspielen zu dürfen. 1979 gründeten Hans Fröhlich und Hugo Domokosch eine Jugendblaskapelle, um die jungen Bläser gezielt auszubilden, zu fördern und an das „große“ Blasorchester heranzuführen.

Heute leben die jungen Leute von damals fast ausnahmslos in der Bundesrepublik, aber sie haben sich nicht aus den Augen verloren und die Musik steckt ihnen immer noch im Blut. Unter der Leitung von Hans Fröhlich treffen sie sich regelmäßig, um gemeinsam zu proben, und wenn sie in den letzten Jahren bei verschiedenen Veranstaltungen als „Blaskapelle der Heimatgemeinschaft (HG) Wolkendorf“ auftraten, fanden nicht nur die eigenen Landsleute Gefallen an dem umfangreichen Repertoire und dem gekonnten Vortrag.

Mitte August dieses Jahres feierte nun die Wolkendorfer „Jugendblaskapelle“, der heute etwa 20 nicht mehr ganz so jugendliche Herren angehören, ihr dreißigjähriges Bestehen mit einem Jubiläumsfest in der alten Heimat.

Etwa 70 Personen – Mitglieder der Blaskapelle mit ihren Familien, Freunden oder Bekannten – waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Das evangelische Erholungsheim von Wolkendorf bot denjenigen, die nicht bei Familienangehörigen oder Freunden unterkommen konnten, ein komfortables Quartier mit genügend Raum zum geselligen Beisammensein und war gleichzeitig auch der Ausgangspunkt für vielerlei Ausflüge, Wanderungen oder Besichtigungsfahrten in die nähere Umgebung.

Die von HG-Vorstand Klaus Guess und seiner Stellvertreterin Inge Petyan mit organisierte und sorgfältig vorbereitete Jubiläumsfeier begann am Sonntag, dem 16. August, mit einem gut besuchten Festgottesdienst, für dessen musikalische Mitgestaltung die Blaskapelle sorgte. Anschließend begaben sich die Anwesenden geschlossen auf den Friedhof, um in einer Feierstunde Martin Thies, den berühmten Sohn der Gemeinde, zu ehren und an dessen Grabstätte eine von der Heimatgemeinschaft gestiftete Gedenktafel anzubringen. Enthüllt wurde diese von der zwölfjährigen Verena Zimmermann, einer Ur-Urenkelin des Komponisten, die ihr Vater Torsten Zimmermann (ein begabter Trompeter, der – das versteht sich – von Beginn an in der Blaskapelle dabei war) in die Heimat ihrer Vorfahren mitgenommen hatte.

Nach dem besinnlich-ernsten Festprogramm folgte der fröhlich-gesellige Teil der Veranstaltung. Angeführt von der Blaskapelle, marschierte man im Festzug zum Wolkendorfer Gemeindesaal, wo die Bläser mit dem bekannten „Seminaristenmarsch“ von Martin Thies eine abwechslungsreiche musikalische Darbietung eröffneten, die nicht nur zum andächtigen Lauschen, sondern auch zum Tanzen und Mitsingen einlud. Auch kulinarisch stand der Tag ganz im Zeichen der heimatlichen Tradition: Bei Grillsteaks und „Mici“, bei duftendem Kaffee und knusprig- frischem Baumstriezel ließ es sich gut feiern, und auch für ein gutes Gespräch fand sich ausreichend Zeit. Die aus dem fernen Deutschland zu Besuch gekommenen Wolkendorfer und die etwa 30 noch „Daheimgebliebenen“, die zirka 70 Gäste und Ehrengäste aus den Nachbargemeinden Neustadt, Weidenbach und Kronstadt – sie alle verbrachten einen heiter-unbeschwerten Sommertag miteinander, der manch einen an ein Dorffest früherer Tage erinnerte.

Ute Rill

Wolkendorfer Blaskapelle vor dem “Konfirmandenzimmer”. Foto: Hans Rill

Ein Sommer in Wolkendorf

Der Sommer nimmt auch dieses Jahr sein Ende und nun heißt es, gesammelte Eindrücke zu bündeln. In diesem Jahr konnte man so einiges in Wolkendorf erleben von Arbeitscamp zu Zeltlagern.
Als der Sommer seine schönsten und wärmsten Tage erreichte, hieß es für Jugendliche aus den Kirchengemeinden Wolkendorf und Heltau, Zelt, Schlafsack, Löffel und Gabel einzupacken - und es ging los. Zusammen mit Diakon Mario Dietze und der Partnerjugend aus der Meissner Gegend traf man in Schäßburg aufeinander, um das erste Ziel anzupeilen.
Wie bei Begegnungen vergangener Jahre üblich, stand auch diese Zeltreise unter einem Thema: „Meine Träume in unserem Europa“. Man erfuhr über den Traum allgemein, welche Rätsel er der Wissenschaft aufwirft und was er aus psychologischer Sicht bedeutet. Aber auch mit Träumen einiger Gestalten der Bibel (Abraham, Josef oder anderer), beschäftigten wir uns. Träume konnten nur von besonderen Menschen gedeutet und entschlüsselt werden. Das Thema war auf jeden Fall von Interesse, da die jungen Leute ständig so ihre Träume haben.
Ein Ziel dieser Begegnung war auch, dass sich deutschsprachige Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen trafen, um gemeinsam Menschen in ihren Tra-ditionen und Kulturen kennenzulernen. Die Jugendlichen sollten durch das gemeinschaftliche Erleben von Kultur wie Trachten, Musik und Handwerk, sich den multikulturellen Raum eines vereinigten Europa vergegenwärtigen. Sie sollten positiv in ihrem Denken über die Europäische Union und die jüngste Osterweiterung der EU eingestimmt werden und das Zusammenleben der einzelnen Völkerschaften in der Europäischen Union als ihre Chance betrachten.
Zuerst ging es zu den Szeklern. Man zeltete an dem schönen See Bezidu Nou. Er überflutete 1989 ein ganzes Dorf. Heute guckt nur noch der Kirchturm aus dem See. Es ging zu Burgen und Schlössern, und wir besuchten das Salzbergwerk Praid und die Töpfersiedlung Korond.
Auf Burzenländer Tradition stießen wir beim Waldgottesdienst im Geisterwald bei Nussbach. Alle Gemeinden des Burzenlandes reisten im Geisterwald an, um im Freien einen Gottesdienst abzuhalten. Die Jugendlichen reisten mit ihren Zelten schon vorher an und bereiteten so den Platz für den Gottesdienst vor.
Aus dem Geisterwald ging es zur Mágura im Königsteingebirge, wo uns Herr Hermann Kurmes erlaubte, auf dem Grundstück der schönen Villa Hermani, die er führt, zu zelten. Von da aus konnten wir sehr schöne Wanderungen starten und erlebten die wilden Tiere in freier Bahn oder den einen oder anderen Hirten, der mit seinen Schafen über die Auen zog. Jedoch nicht alle wagten bei Wind und Wetter den Aufstieg zum Kleinen Königstein mit einer Höhe von ca. 2000m.
Zufrieden, vielleicht ein bisschen erschöpft kamen die Leute schließlich jeder in seinem zu Hause wieder an. Gerne erinnerte man sich auch nachher an die Tage, an denen deutsche, sächsische oder rumänische Wörter lustig durcheinander klangen.
Daraufhin erfolgte der Besuch Jugendlicher aus der Schweiz mit ihrem Pfarrer Thomas Dummermuth gemeinsam mit Jugendlichen aus Sächsisch Regen mit Pfarrer Zorán Kézdi, seit neuestem Stadtpfarrer in Heltau. Freiwillig arbeiteten sie in der Kirchenburg Neustadt. Sie misteten am Friedhof aus oder tätigten auf Anweisung des Herrn Kurators Erhard Porr Gärtnereiarbeiten im Hof der schönen Neustädter Kirchenburg.
Zu einem Arbeitscamp unter der Leitung von Christian Draghici aus Heltau fanden sich auch Jugendliche aus London, Leipzig und Heltau in Wolkendorf ein. Diese Treffen finden schon seit den neunziger Jahren in den drei Ländern England, Ostdeutschland und Rumänien abwechselnd statt. Sie haben schon Tradition. Jedes Jahr trifft man sich einmal, um Arbeiten zu verrichten, die unter dem Leitspruch der Gemeinnützigkeit stehen. In diesem Jahr hatten wir das Glück, die Gruppe in Wolkendorf zu empfangen. Freiwillig strichen die Jugendlichen die Kornkammern der altehrwürdigen Kirchenburg in Wolkendorf an, so dass sie jetzt in einem frischen Weiß erstrahlen. Auch auf dem Friedhof wurde viel gearbeitet. Von den renovierungsbedürftigen Gruften, wurde der Verputz, der schon am Bröckeln war, komplett abgeschlagen.
Aber es wurde nicht nur gearbeitet, sondern man unternahm auch schöne Ausflüge in die Umgebung. Unvergessen bleibt der Badetag am Sankt Anna See oder der Nachmittag und der Abend in Deutsch-Weißkirch. Das Abendessen bei Familie Fernolend in Weißkirch kann sicher als einer der Höhepunkte dieser Begegnung betrachtet werden - und so erfuhr die sommerliche Träumerei einen „geschmackvollen“ Ausklang.

Uwe Seidner
Wolkendorf

Jugendkonferenz in Prag zum Thema Demokratie und Migration

Zwischen dem 21. und 28. Juni trafen sich junge Leute vier verschiedener Kontinente in der goldenen Stadt Prag, um sich mit dem Thema „Demokratie und Migration“ auseinanderzusetzen. Aus Ländern wie Macedonien, Georgien, Rumänien, Belgien, Slowakei, Italien, Deutschland, Lettland, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Tschechien, Somalia, Indien, Australien, u.a. reisten Leute an, die vor allem in Minderheiten leben, eingeladen von dem „Ecumenical Youth Council in Europe / Ökumenischer Jugendrat in Europa“ (EYCE).

Über diese Tagung habe ich von unserem Ortspfarrer Uwe Seidner erfahren und da mich dieses Thema ansprach, aber natürlich auch die goldene Stadt lockte, ging ich gerne dieser Einladung nach, gemeinsam mit Roxana Brinciu aus Wolkendorf, die an der deutschen Schule in Zeiden als Grundschullehrerin tätig ist.
EYCE ist ein Forum, in dem 26 Länder vertreten sind. Das EYCE ist ein ausgeprägtes Netzwerk junger Christen, die die Einheit aller Christen in Europa fördern soll. Im Statut des EYCE heißt es, dass alle Mitglieder Jesus Christus als Herrn und Heiland anerkennen sollen. Versöhnung untereinander, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt stehen als Ziele. Mit dem ökumensichen Hintergrund arbeitet EYCE darauf hin, christliche Kirchen und deren Jugend zu motivieren, um dieses Ziel der Einheit zu erreichen. Die Begegnung und das gegenseitige Kennenlernen sind der beste Weg, Leute aus verschiedenen Konfessionen, mit verschiedenen kulturellen und traditionellen Hintergründen zusammen zu bringen. So werden vom ökumenischen Jugendrat regelmäßig Tagungen, Seminare und Fortbildungen organisiert.
Das Thema der diesjährigen Tagung in Prag „Demokratie und Migration“ fand ich sehr interessant, wenn man die heutige politische Lage eines vereinten Europas unter die Lupe nimmt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die Grenzen mehr oder weniger geöffnet und Europa wurde zu einem richtigen Migrationsfeld. Komplette Familien ändern heutzutage ihren Wohnsitz, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Manche jungen Teilnehmer, die ich auf dieser Begegnung kennengelernt habe, erzählten von solchen Erfahrungen. So erzählte Saroh Koshin aus Somalia über die Hintergründe ihrer Flucht aus Somalia. Seit zwölf Jahren lebt sie in den Niederlanden.
Das Tagesprogramm begann mit dem Frühstück, nachdem man auf Gruppen aufgeteilt wurde, die dann verschiedene Verantwortungen und Aufgaben übernehmen sollten, wie zum Beispiel eine Andacht.
In aktiven Arbeitsgruppen beschäftigten wir uns mit folgenden Fragestellungen: Was ist Migration, wie sieht Migration innerhalb Europas aus, welches sind die politischen Hintergründe, was ist Demokratie, vor welchen Herausforderungen steht man, wie kann man aktiv mitwirken, wie kann man mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Medien, Regierungen und Bürgern zusammenarbeiten?
In einer Sitzung stellten wir fest, dass auch Kirche eine wichtige Rolle bei Migration spielt. Migranten wandern aus einem kirchlichen Umfeld aus und können dieses Umfeld der eigenen Konfession wiederfinden. Man hat die Chance, integriert zu werden. Es gibt aber auch das Gegenteil. Es kommt zum Übertritt zu anderen Konfessionen. Dafür musste man in Gruppen fünf Argumente rausfinden, weshalb man einer bestimmten Konfession beitreten sollte.
Weiter berichteten die verschiedenen Teilnehmer bei der Vorstellung des eigenen Landes, als Teil eines großen Migrationsmarktes, über den Migrationstrend und welche Hintergründe er hat, ob es sich um finanzielle oder um Verfolgungsgründe handelt.
An einem Tag setzten wir uns mit der Arbeit an Projekten auseinander. Es sollte ein Projekt aufgestellt werden, das die Unterstützung und Integration von Migranten als Ziel hatte. Ein wichtiges Stichwort war Konfliktbearbeitung. Eine gründliche Analyse der Konflikte, die zwischen Imigranten und Einheimischen entstehen, stand als wichtiger Punkt im Raum.
Eine Jury sollte schließlich entscheiden, ob dieses Projekt einer Finanzierung würdig ist. Die Diskussionen waren sehr rege, da man nicht immer gleicher Meinung war; denn man kam ja aus verschiedenen Kulturen und Traditionen. Aber trotzdem wuchs die Gruppe zu einer Einheit zusammen.
Diese Begegnung mit so verschiedenen Menschen aus so verschiedenen Ländern und Kulturen hat mich sehr fasziniert. Mit Begeisterung verfolgte ich den Länderabend, wo jedes Land, das vertreten war, etwas Spezifisches vorstellte: z.B. Speisen, Getränke, Musik und Tänze.
Unvergesslich bleiben die Bilder die sich bei der Stadtführung eingeprägt haben: die Astronomische Uhr, die Karlsbrücke, der Wenzelsplatz oder der Schlossberg. Im großen Ganzen kann ich sagen, dass ich viel nach Hause mitgenommen habe. Man lernt nicht nur etwas zu einem aktuellen Thema dazu, sondern auch die Bekanntschaften die man geschlossen hat, haben einen besonderen Wert. Sie eröffnen neue Horizonte.

von Monika Paiuc / Weidenbach

Workcamp in Wolkendorf: Helfen und Gemeinschaft finden

Wenn ein englischer Jugendlicher sagt „Eu sparg zidul cu linguriţa mai bine decât tine“, dann ist das schon verwunderlich. Und lustig. Viel Spaß hatten Jugendliche aus Deutschland, England und Rumänien beim diesjährigen Workcamp in Wolkendorf im Burzenland (27. Juli – 7. August 2009). Wir Leipziger, Opringtoner, Hermannstädter und Heltauer machten uns in der Wolkendorfer Kirchenburg nützlich, indem wir die innere Ringmauer kalkten, die alten Kammertüren strichen und den alten Verputz bei einigen Gruften abklopften.

Bereits das 19. Mal traf sich die Dreiländergruppe. Jeden Sommer kamen neue Teilnehmer hinzu, ältere Jugendliche übernahmen Verantwortung in Leitung und Transport. Letztes Jahr trafen wir uns in Deutschland, vor zwei Jahren in England. Ziel der Workcamps ist es, gemeinsam zu helfen und Glauben zu finden. Wir hielten regelmäßig Andachten, sangen viel und feierten gemeinsam Gottesdienst.

Besonders Spaß gemacht haben uns die Pausen bei der Arbeit, das Lagerfeuer, das Feierabendbier, das Gitarre Spielen. Die Verständigung klappte prima, meist auf Englisch, aber auch auf Deutsch und manchmal Rumänisch (siehe oben). Jeden Tag übernahm eine Dreiergruppe den Küchendienst, auch da gelang die Verständigung. Auf mehreren Ausfahrten erkundeten wir die Umgebung und waren baden (mit und trotz Hund Maxi, unserem Maskottchen).

Die Jugendlichen des Workcamps bedanken sich bei den Sponsoren, die das deutsche Team gefunden hatte, bei Christian Drăghici, dem Leiter der rumänischen Gruppe, und beim Wolkendorfer Pfarrer Uwe Seidner, dem guten Gastgeber.

Liviu Trifan, Heltau

Freiwilliger Arbeitseinsatz in der Wolkendorfer Kirchenburg

Workcamp

Foto: Eva Cosoroabă

NACHBARASCHAFTSREISE Drei Burzenländer Presbyterien unterwegs durchs Repser Ländchen

Am 19. und 20. Juni unternahmen die Presbyterien von Wolkendorf, Neustadt und Weidenbach einen Ausflug in die Nachbarschaft des Repser Ländchens.
Das Repser Ländchen gehört zwar zum selben Kirchenbezirk Kronstadt, aber es ist irgendwie doch eine andere Welt. Eine der wichtigsten Fragen ist die: Wie sieht es mit der Zukunft der Gemeinden aus, wie wird das Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen erhalten, die aus dieser Gegend äußerst zahlreich ausgewandert sind. Um Reps herum sind noch ganz kleine Gemeinden, 14 an der Zahl, die von Pfarrer Siegmar Schmidt betreut werden. In diese Gemeinden machten wir uns auf. Als erstes lernten wir Herrn Kurator Thomae in Hamruden kennen; er empfing uns in der interessanten Kirchenburg, wo nach verschiedenen Umbauten der Chor nach Norden gerichtet ist. Der ursprüngliche Chor in Richtung Osten zeigt immer noch seine schönen Fresken unter dem Turm. Kurator Thomae blickt mit Schwermut auf das Vergangene zurück, er stellt sich nun die Frage, was aus alldem werden soll.
Es ging weiter nach Katzendorf. Hier empfing uns Frieder Schuller, als Künstler bekannt. Er lud uns auf einen Kaffe ein. Katzendorf mit seiner schönen Kirchenburg war die erste Gemeinde unseres jetzigen Herrn Bischofs Dr. Christoph Klein. Frieder Schuller erzählte uns von dem Jahr 1990. Als alle fortstrebten, kam er hierher und richtete sich in dem schönen Pfarrhaus ein.
Anschließend besuchten wir den Nachbarhof des inzwischen verstorbenen Andreas Müller. Der Hof ist mit Malereien und Gedichten Müllers, des letzten Organisten geschmückt. Ein Automechaniker kümmert sich nun um dieses Erbe.
In Draas angekommen, sahen wir, dass sich einiges in diesem Dorf bewegt. Sie Stiftung „Mihai – Eminescu – Trust“ (MET), dessen Schutzherr Prinz Charles ist, und die sich für den Erhalt traditioneller Dörfer einsetzt, hat auch hier Fuß gefasst. Hier sind schon viele Häuser in sich zusammengefallen und man versucht noch einiges zu retten. An der Kirchenburg wird schon gearbeitet. Das Kultusministerium ist dabei, diesen uralten Sakralbau zu retten. Für die Siebenbürger Sachsen bezeichnet dieser Ort die Grenze des sächsischen Siedlungsgebietes. (von Broos bis Draas). Jahrhunderte lang wurde hier das legendäre Schwert aufbewahrt.
Über einige Szeklerdörfer gelangten wir nach Streitfort. Die Barocke Orgel, die von Johannes Prause Mitte des 18 Jahrhunderts erbaut wurde, steht nun in Wolkendorf und so ist dieser Herkunftsort für das Wolkendorfer Presbyterium von besonderer Bedeutung. Die Kirche ist in einem schlechten Zustand und ein Teil der Decke ist schon eingefallen. Glücklicherweise wurde diese Orgel 2003 von Altdechant Klaus Daniel nach Wolkendorf verbracht, daselbst restauriert und in Anwesenheit von Bischof Dr. Christoph Klein wieder eingeweiht. Für Streitfort gibt es auch einen Hoffnungsschimmer. Die Kirchenburg soll auch in ein Restaurierungsprogramm aufgenommen werden.
Über Galt, wo wir noch die nette Heimtaustellung in der Kirchenburg besichtigten, um die sich Frau Szöcs sehr liebevoll kümmert, ging es zu unserer Endstation für den ersten Tag:nach Deutsch-Weisskirch. Hier wurden wir sehr freundlich von Caroline Fernolend empfangen, die uns Kirchenburg, Museum und Dorf im Abendrot zeigte. Deutsch-Weisskirch ist durch den großen Einsatz vom MET aufgeblüht und gehört nun als ganzes Dorf zum UNESCO – Weltkulturerbe. Heute ist Deutsch-Weisskirch einer der größten Anziehungspunkte für Touristen, und sogar für Persönlichkeiten wie Prinz Charles, Susanne Kastner, Peter Maffay u.a. Botschafter. Caroline Fernolend hat den Aufschwung nur schaffen können, soweit sie mit den Kräften vor Ort zusammen gearbeitet hat: „Da unsere Sachsen ausgewandert sind, muss man denjenigen die in den alten sächsischen Häusern wohnen, den Erhalt dieses Dorfes schmackhaft machen“. Das geschieht dadurch, dass sie auch etwas von all dem erhalten, was der Tourismus ins Dorf bringt. So gibt es eine traditionelle Ziegelbrennerei, wo die ursprünglichen Ziegel wie früher herstellt werden, eine Schmiede und sogar einen Köhler. Die Betreiber sind meistens Zigeuner. Die Zusammenarbeit klappt gut, da jeder eine eigene Firma hat. „Bei der Firmengründung wurde ihnen freilich unter die Arme gegriffen. Aber erst sobald eine Arbeit erledigt wird, gibt es Bares. Und so tun sie ihre Arbeit regelmäßig“, erzählte uns Caroline Fernolend.
Die Arbeit des MET hat sich für die Pesbyter als sehr lehrreich erwiesen. Wie kommt man an billige Materialien, woher holt man Areiter, wie erhält man den Aspekt eines Gebäudes. U.ä. Man ist ja in den Gemeinden immer wieder mit Renovierungsarbeiten von Friedhof, Schule oder Kirche konfrontiert. Der Abend schloss mit einem sehr leckeren Abendessen bei Familie Fernolend - und an Gesprächsstoff fehlte es auch nicht, nach so vielen neuen Eindrücken, die man den Tag über gesammelt hatte.
Am nächsten Tag ging unsere Reise nach Meschendorf, wo wir den 99jährigen Martin Werner antrafen, der immer noch gut beisammen ist. Jedes Jahr hat er für das traditionelle Pfingstfest des Repser Ländchens in Deutsch-Weißkirch Gedichte vorbereitet. Auch die guterhaltene Kirchenburg in Menschendorf bietet noch einen sehr schönen Anblick. In Deutsch-Kreuz trafen wir Bezirkskirchenkurator Karl Hellwig. Er steckte mitten in den Vorbereitungsarbeiten für das Laudate Konzert vom 27. Juni. Karl Hellwig würde es sehr begrüßen, wenn sich auch Gäste aus dem Burzenland zu dieser Feier aufmachen würden.
Den Abschluss bildete die Kirchenburg in Radeln. Auch hier soll einiges in Zukunft geschehen. Peter Maffay hat Pfarrhaus und Kirchenburg übernommen und ein Projekt für behinderte Kinder gestartet. So ist auch der Erhalt dieser altehrwürdigen Burg gesichert.
Diese „Nachbarschaftsreise“ war nicht nur eine Horizonterweiterung für unsere Presbyter, sie war auch mit vielen Emotionen verbunden. Die Gespräche die wir geführt haben, stärkten unser Gemeinschaftsgefühl.

Uwe Seidner / Wolkendorf

Katzendorf

Draas

Foto by Marian Radulescu

Streitfort

Foto by Marian Radulescu

UNESCO Weltkulturerbe: Deutsch - Weisskirch

Unsere Gastgeberin: Caroline Fernolend

Eisige Freizeit am Bulea-See

Vom 20. zum 22. März verbrachten einige Jugendliche der Kirchengemeinde Wolkendorf eine Freizeit am Bulea-See. Die verschneiten Berge rund um den See boten eine atemberaubende Kulisse; sie sind neben der Eiskirche und dem Eishotel eine Attraktion für sich. In der Hütte beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem Thema: Welche Möglichkeiten und Perspektiven haben wir als deutsche Minderheit in Gesellschaft und Politik. Dabei bot sich die günstige Gelegenheit, ein Gespräch zu führen mit Arnold Klingeis, dessen Familie die Hütte, aber auch die Eiskirche und das Eishotel betreibt. Die Familie Klingeis kehrte im Jahr 2000 aus Deutschland zurück, kaufte die abgebrannte Hütte am Bulea-See, und begann mit dem Wiederaufbau. 2001 konnte die Hütte eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Seit dem Juni vergangenen Jahres stellt Arnold Klingeis im jungen Alter von 30 Jahren, als Vertreter des Deutschen Forums, den Bürgermeister von Freck.
In unserem Gespräch, in dem die jungen Leute Fragen an ihn richteten, deutete Arnold Klingeis darauf hin, man habe als Vertreter einer Minderheit in Rumänien eine relativ gute Position. Die rumänische Gesetzgebung sei minderheitenfreundlich, und räume den Angehörigen einer Minderheit sehr viel Spielraum in der Politik ein. In den Ländern der Europäischen Union gäbe es nichts dergleichen. Als deutsche Minderheit haben wir es leicht, ins öffentliche Leben einzusteigen, weil uns ein guter Ruf vorausgeht. In Freck stellt das Deutsche Forum seit den letzten Wahlen fünf Stadträte. Arnold Klingeis meint, um etwas erreichen zu wollen, braucht man sehr viel Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen.
Die nächste Frage lautete: Wie er mit den Politikern der großen Parteien zurechtkomme. Politiker seien ja mit allen Wassern gewaschen. Das Verhältnis zu den anderen Parteien scheint zurzeit ein gutes zu sein. In einer Gemeindeleitung muss man auf professioneller Ebene zusammenarbeiten. Die Gefühlsebene wird sozusagen auf einen Nullwert herabgesetzt.
Das Gespräch mit der Familie Klingeis gestaltete sich als sehr aufschlussreich. Aus solchen Begegnungen können die Jugendlichen dazu angeregt werden, zu verschiedenen Fragen und Problemen Stellung zu nehmen, und im Idealfall sich selber einzubringen.
Die Zeit am Bulea-See reichte auch aus, eine Wanderung zu unternehmen. Wir tasteten uns durch das Dunkel des fast völlig zugeschneiten Tunnels hindurch, bis wir auf der anderen Seite der Berglehne, im Kreis Arges, hinaus traten. An riesigen Eiszapfen die von oben nach unten wuchsen, kamen wir vorbei; aber der wunderbare Ausblick über das Tal hinweg, auf der anderen Seite des Berges war die größere Belohnung.
Für die Konfirmanden bot sich auf dieser Freizeit die letzte Gelegenheit, eine Generalwiederholung durchzunehmen. Am Palmsonntag, dem 5. April, werden fünf Konfirmanden in Wolkendorf gemeinsam mit ihren Eltern zu ihrem ersten Abendmahl vor den Altar treten.
Etwas für die Jugendlichen noch nie Gesehenes war die Eiskirche und das Eishotel. Von den feinen und maßvollen Schnitzarbeiten im Eis waren sie besonders beeindruckt. Im Chorraum prangt der Gekreuzigte in Eis gemeißelt. Ebenso kann man das letzte Abendmahl des Herrn bewundern. Die Eiskirche feiert schon ihr 3jähriges Bestehen. Jeden Winter lebt sie von Neuem auf.
Am Sonntag Lätare feierten wir den Gottesdienst in der Eiskirche, sozusagen als krönenden Abschluss dieser Freizeit. Zu diesem Gottesdienst reisten evangelische Gemeindeglieder vor allem aus den Gemeinden Rosenau und Bartholomae an, aber auch aus Tartlau und Heldsdorf. Den Predigtgottesdienst gestaltete Pfarrer Kurt Boltres/ Bartholomae. Den rumänischen Teil der liturgischen Stücke versah ich selbst. In der Predigt ging es um das Opfer Jesu, an das wir erinnert werden durch das Wort vom Weizenkorn, das erstirbt und dadurch viel Frucht bringt. Es liegt auch im natürlichen Kreislauf der Natur, dass etwas absterben muss, damit etwas Neues – eben ein neues Leben erhalten kann. Noch vor etlichen hundert Jahren, als wiederholt Hungersnöte wüteten, streuten die hungrigen Menschen ihr Saatgut aus, verwerteten es also nicht zum Brotbacken, denn sonst hätten sie sich um die Zukunft gebracht. So ergeht es uns mit Christus dem Herrn. Er musste den Tod auf sich nehmen, um einen neuen Lebensstrom fließen zu lassen. Und so lässt uns dieses Wort froh und dankbar zum Kreuz aufschauen.
Nach dem Gottesdienst hieß es, Abschied nehmen von der Familie Klingeis, die sich sehr freundlich um uns gekümmert hat. Wir warfen noch einen Blick über das strahlende Weiß der Berge rings um den Kessel, und traten die Talfahrt mit der Gondel an.
Wir bedanken uns recht herzlich für die freundliche Unterstützung durch die Deutsche Botschaft in Bukarest, durch deren Förderung diese Freizeit ermöglicht wurde.

Uwe Seidner / Wolkendorf

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