Archive for the 'Partnerschaft & Ökumene' Category

Jan 28 2010

Einweihung der Eiskirche am Bulea-See

Am Freitag, dem 22. Januar, wurde die Eiskirche am Bulea von Geistlichen vier verschiedener Konfessionen eingeweiht: von der römisch-katholischen Kirche kamen Olivier Keresztes und Gheorghe Buciuman aus Kronstadt, von der griechisch-katholischen Stefan Crisan aus Girelsau, von der orthodoxen Ioan Chidu aus Freck. Von Seiten der evangelischen Kirche wurde die Einweihungshandlung von Stadtpfarrer Kilian Dörr / Hermannstadt und Pfarrer Uwe Seidner / Wolkendorf durchgeführt.

Wetterbedingt musste die Einweihung der Eiskirche, die nun schon im vierten Jahr ihr Bestehen feiert und dadurch zur Tradition geworden ist, mehrere Male aufgeschoben werden. Das lange Warten hat sich aber gelohnt: mit sagenhaftem Wetter und einer klaren Aussicht nach den Bergen wurden wir belohnt.

Die Mitglieder der Familie Klingeis, die die Hütte am Bulea-See betreiben, und somit auch jedes Jahr das Eishotel und die Eiskirche errichten lassen, waren erleichtert, dass dieses Ereignis endlich stattfinden konnte. Auf Wunsch der Familie soll die Kirche der Ökumene dienen.

Die Eisblöcke wurden aus dem zugefrorenen See herausgeschnitten. Jede Konfession sollte sich in dieser Kirche beheimatet fühlen. So ist es auch selbstverständlich, dass der Eistempel im Beisein der Vertreter der historischen Kirchen geweiht wurde.

Der Gedanke, am Gipfel des Berges einen geweihten Ort zu haben, wo man beten, singen oder meditieren kann, ist für mich selbst ein schöner Gedanke. Wenn man die Heilige Schrift durchgeht, wird man merken, dass der Mensch stets den Gipfel des Berges, die Höhen der Gebirge aufgesucht hat, um näher bei Gott zu sein. Immer wieder hatte das Volk Israel seine Höhenheiligtümer. Mose stieg auf den Berg Sinai um Gott zu treffen.

Am Vergangenen Sonntag feierten wir den letzten Sonntag nach Epiphanias. Es ist der Sonntag, an dem die Verklärung Jesu gefeiert wird. Dieses Fest ist ein bindendes Glied zwischen den Konfessionen, die alle einen großen Wert auf dieses Fest legen. Jesus steigt mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg. Nach einigen soll es der Berg Tabor gewesen sein. Dort leuchtet das Antlitz Jesu in einem hellen Schein auf, und die Stimme Gottes spricht aus den Wolken: Dies ist meine lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.

Eines stimmt uns aber bei der Eiskirche nachdenklich. Sie ist der Vergänglichkeit anheimgestellt. Wenn das Frühjahr kommt schmilzt sie. Das war für die orthodoxe Schwesterkirche in den vergangen Jahren Grund genug, nicht an der Einweihung dieser Kirche teilzunehmen.

Die Kirche schmilzt zwar wenn das Frühjahr kommt, aber im nächsten Winter wird sie wieder aufgebaut. Als die Israeliten aus Ägypten auszogen und durch die Wüste gingen, schlugen sie jedes Mal, wenn sie eine Rast einlegten, auch ein kultisches Zelt auf, die Stiftshütte, in der sie sich zum Gebet und Gottesdienst versammelten. Als sie dann weiterzogen, wurde das Lager aufgelöst und die Stiftshütte abgebrochen, um am nächsten Ort wieder aufgebaut zu werden. Die Stiftshütte der Israeliten in der Wüste ist für uns die Eiskirche. Sie hält bis die warmen Temperaturen sie zum Schmelzen bringen; aber wenn es dann wieder kalt genug ist, wird sie in der herrlichen Schöpfung Gottes wieder aufgestellt, um jenen Gläubigen zu dienen, die die Höhe suchen. Die Kirche aus Eis ist nicht für die Ewigkeit bestimmt, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.

Uwe Seidner /

Wolkendorf

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Jan 27 2010

Ökumenische Gebetswoche

Vom 18. zum 25. Januar 2010 fand in Kronstadt die Ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christenheit statt. Geistliche der historischen Konfessionen nahmen daran teil. Gemeinsam mit Dechant Christian Plajer, Kurt Boltres und Peter Demuth durfte ich an den verschiedenen Gottesdiensten teilnehmen. Die Gebetswoche ist ein Schritt zur geistlichen Verbundenheit der Kirchen.

Als ich von der ökumenischen Gebetswoche hörte, erinnerte ich mich sofort an Früher. Man feierte sie schon vor der Wende in Stadt und Land. Jeden Abend wurde in Stolzenburg ein Gottesdienst abgehalten. Manchmal kam der evangelische Pfarrer aus Kastenholz, oder ein orthodoxe Theologe aus Hermannstadt, der sogar auf Deutsch predigte, da er die Sprache beherrschte, oder der römisch-katholische Stadtpfarrer aus Hermannstadt. Für mich als junger Christ, der ich die Farbenpracht liebte, waren diese ökumenische Gottesdienste hoch interessant, obwohl ich vielleicht nicht allzu viel verstand. Es mussten aber viele Jahre vergehen, bis ich eine ökumenische Gebetswoche wieder erleben durfte. Dann kam die Wende. Der Pfarrer aus Kastenholz kam nicht mehr; er ist ausgewandert. Die Leute der Gemeinde, die einen solchen Gottesdienst hätten besuchen sollen, waren auch nicht mehr da…

Wir schreiben nun das Jahr 2010 und in Kronstadt trifft man sich jeden Abend in den Kirchen der historischen Konfessionen, um gemeinsam für die Einheit der Christen zu beten. Auf das Wort „historische Kirche“ wird besonderer Wert gelegt. Siebenbürgen war schon europäisch knapp 500 Jahre vor der Europäischen Union. 1568 wurde in Thorenburg der Grundstein für religiöse Toleranz gelegt. Das Edikt von Thorenburg gewährte Katholiken, Lutheranern, Calvinisten (Reformierte), Unitariern und Orthodoxen (als tolerierte Religion) die gleichen Rechte. Das war für die damalige Zeit etwas Einzigartiges. Geistliche und Christen der erwähnten Konfessionen treffen sich also in unserer modernen Zeit, um für eine Einheit zu beten.

Die diesjährige Gebetswoche stand unter dem Motto: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen“ (Luk 24,48).

Seit 1968 werden die jährlichen Themen und Texte von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern und Vertreterinnen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) erarbeitet. Im Mittelpunkt steht ein biblisches Leitthema.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus, begleitete auch unsere ökumenische Begegnung. Wie erwähnt, waren wir jeden Abend zu Gast in einer anderen Kirche. Wir besuchten die Katholiken, die Ungarisch-Evangelischen, die Unitarier, die Reformierten, die Orthodoxen und Griechisch-Katholischen. Von unserer Seite waren die Schwarze Kirche und die Bartholomäuskirche Gastgeberinnen. Die Gottesdienste waren sehr gut besucht. Da die Bänke besetzt waren, mussten die Gemeindeglieder auch noch im Eingang stehend den Gottesdienst mitverfolgen. Wahrscheinlich sind die Kirchen nur zu Heilig Abend und beim Gottesdienst der Ökumenischen Gebetswoche so voll…

Den Abschluss fand die ökumenischen Gebetswoche in der griechisch-katholischen Kirche. Die Predigt hielt Pfarrer Kurt Boltres. In seiner Predigt erwähnte er, dass die Nachbarn mittlerweile andere gewordene sind. Sachsen sind ausgewandert, Ungarn wie Rumänen haben im Ausland eine bessere Zukunft gesucht. Nun sind neue Nachbarn da. Man kennt sie nicht, aber als Nachbar muss man sich doch irgendwann mal kennenlernen. Es kommt die Zeit, dass man auf den Nachbarn eingeht und ihm Gastfreundschaft anbietet. Gute Nachbarn sind immer wichtig. So ergeht es uns auch mit unseren konfessionellen Nachbarn. Eine Woche lang durften wir Gäste und Gastgeber sein. Die Gastfreundschaft durfte vor allem nach den Gottesdiensten erfahren werden, weil die Geistlichen jeden Abend anderswo ins Gespräch kamen. Ob nun rumänisch, deutsch oder ungarisch gesprochen wurde, Hauptsache es wurde gesprochen. Man teilte Erfahrungen aus. Es wurde kommuniziert…

Tatsache ist, wir kommen aus verschiedenen Traditionen und Kulturkreisen. Wie will man eine Einheit finden, wenn man so unterschiedlich ist? Christus sprengt alle Kulturkreise. Das hat schon der Apostel Paulus feststellen müssen. Eine Einheit kann man auch in der Vielfalt finden. Allein Christus und der Glaube an seine Auferstehung kann alle Grenzen sprengen und Christen zusammenführen.

Uwe Seidner / Wolkendorf

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Okt 12 2009

Im Zeichen der Ostbegegnung

Eine Reise zu evangelischen Gläubigen in Russland

von Uwe Seidner / Wolkendorf

Im September machten sich sieben evangelische Jugendliche und Studenten zusammen mit Pfarrer Dr. Stefan Cosoroaba / Michelsberg und Pfarrer Uwe Seidner./ Wolkendorf auf den Weg in Richtung Osten. Es hieß Kontakt aufnehmen zu Vertretern der Evangelischen Kirche Russlands und anderer postsowjetischen Staaten (ELKRAS). Die Frage, wie deutsches Erbe in anderen ehemaligen kommunistischen Ländern überlebt hat und welches die aktuelle Situation ist, beschäftigte uns auch.

Seit einigen Jahren gibt es in unserer evangelischen Kirche einen Austausch mit der evangelischen Kirche der Ukraine. Gedacht war nun diese Begegnung noch ein Stück auszuweiten, da einer der Hauptträger, Dr. Edmund Ratz, aus Odessa nach Sankt Petersburg umgesiedelt ist und das Amt als Erzbischof bekleidet. Nun soll die Ostbegegnung auch in diese Richtung ausgeweitet werden. Ein konkretes Vorhaben in nächster Zukunft ist der Kirchengemeinde in Moskau ein Taufbecken aus Siebenbürgen zu spenden. Die Renovierungsarbeiten der Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau wurden knapp vor einem Jahr fertiggestellt und die Kirche neu eingeweiht.

Die Reise sollte uns zuerst durch Ostpreußen führen. Auf den Spuren des Deutschen Ritterordens, die 1225 aus dem Burzenland abziehen mussten, da ihr Plan, einen eigenen Ordensstaat zu gründen, vom ungarischen König Andreas II. durchschaut und vereitelt wurde. Nur fünf Jahre später, 1230, verwirklichten sie ihr Vorhaben. Entlang der Flüsse Weichsel und Nogat stieß der Deutsche Orden immer weiter in Richtung Ostsee um die heidnischen Pruzzen zu christianisieren. Heute noch erinnern die mächtigen Burgen und mittelalterlichen Städte - Thorn, Geburtsstadt von Kopernikus, Graudenz, Marienwerder oder der Sitz des Hochmeisters: die Marienburg – durch die wir kamen, an die Zeit der Deutschordensritter. Vorwiegend Siedler aus deutschen Hansestädten wurden hierhin geholt, um die Infrastruktur des Landes aufzubauen.

In Danzig machten wir halt. Unverkennbar ist, dass Danzig einer der vielen Städte an der Ostsee war, die zum Hansebund gehörte. Wenige Tage vor unserer Ankunft in Danzig, wurde hier im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem russischen Premier Wladimir Putin und dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyński dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf der Westerplatte gedacht. Am 1. September 1939 begann hier der deutsche Angriff auf Polen.

Im Hafen von Danzig

Einblick in die Königsberger Gemeinde

Es ging weiter in die russische Exklave Königsberg / Kaliningrad, umgeben von Staaten der Europäischen Union. In Königsberg trafen wir auf unsere Gastgeber im evangelischen Gemeindezentrum. In Königsberg waren wir bei Gemeindegliedern verteilt untergebracht. So hatten wir die Möglichkeit einen tieferen Einblick zu erhalten. Vormittags feierten wir zusammen mit den Angestellten der Kirchengemeinde Andacht, gehalten von Pastor Alexander Burgart. Im Anschluss kam man ins Gespräch über die Situation und über die Menschen, die zur Kirchengemeinde gehören. Der größte Teil ist nach dem Fall des eisernen Vorhangs nach Deutschland ausgewandert. Einige sind aber geblieben. Der Hausmeister des Gemeindezentrum Alexander Walger erzählte von seinen Beweggründen, wieso er in Königsberg geblieben ist. Königsberg muss noch in preußischer Zeit eine sehr schöne Stadt gewesen sein. Einiges hat den Kommunismus überdauert, so wie die ehemalige evangelische Kirche, wo sich auch das Grab vom berühmten Philosophen Immanuel Kant befindet, oder einige Stadttore und Befestigungen. Aber sehr vieles ist leider in der Breschnew-Zeit verloren gegangen. Man kann nur noch erahnen welche Pracht die Stadt einst trug. Erstaunlicher Weise ist der Name Königsberg nicht mehr so tabu, wie früher. Die neue Generation der Russen die dieses Gebiet nun bewohnen suchen immer mehr nach den alten Wurzeln und es gibt sogar eine Initiative, die vorhandene Bausubstanz zu erhalten. Vieles wurde auch von Deutschland auch restauriert, so wie die evangelische Kirche, die aber als Konzertraum zur Zeit genutzt wird. Die Kirchengemeinde selber musste sich auf dem „Prospekt Mira 101“ eine neue Kirche mit Gemeindezentrum aufbauen. Zur Zeit wird die Gemeinde vor allem auch von der Partnergemeinde Kiel aus Deutschland getragen. Von Probst Jochen Löber, erfuhren wir über die Schwierigkeiten, mit denen man sich im Alltag auseinandersetzt.

Vor der evangelischen Probsteikirche auf dem Mira Prospekt 101 in Königsberg

Im ehemaligen  Königsberger Dom, der nun als Konzertsaal dient, fand Immanuel Kant seine letzte Ruhe

Evangelische in den baltischen Ländern

Von Königsberg ging es weiter über die Kurische Nehrung, zwischen Ostsee und Frischen Haff, Richtung Baltikum. Mit der Fähre überquerten wir den Fluss Memel und machten erst in Riga wieder halt. Die Stadt Riga wurde 1201 als Hauptstadt von Livland an der Düna von Bischof Albert von Bremen gegründet. In Riga trafen wir den Auslandspfarrer der EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) Martin Grahl und besuchten die Theologische Fakultät. Die Fakultät befindet sich genau am Domplatz, gegenüber des Doms, wo der Gründer der Stadt zur Ruhe gebettet wurde, und wo Johann Gottfried Herder einst in der Domschule unterrichtete.

Von Riga ging es weiter nach Estland. In der Hauptstadt Estland Reval / Tallinn nächtigten wir. Beeindruckend sind die 27 Türme und ihren Wehrmauern die über dem baltischen Meer thronen. Diese Befestigung war im Mittelalter sicher überlebenswichtig, so wie auch unsere Kirchenburgen in Siebenbürgen. In Reval trafen wir Meelis Süld. Er ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche, und gleichzeitig für ein Radio tätig. Von ihm erfuhren wir auch einiges über die Russen in den baltischen Ländern. Es gibt eine große russische Minderheit in Estland. Viele davon haben einen „grauen Pass“, da sie die Sprachprüfung nicht bestanden oder abgelegt haben. Also wurde ihnen die Staatsbürgerschaft nicht zuerkannt.

Unsere Reise näherte sich nun ihrem Hauptziel: Sankt Petersburg.

Kurische Nehrung

Talinn, einst Reval

Bei Erzbischof Ratz in Sankt Petersburg

Sankt Petersburg ist am Fluss Newa unglaublich schön gelegen. Sehr imposant wirkten die Bauten vergangener Zaren auf uns. Die Evangelische Kirche Sankt Petri befindet sich direkt am Newski Prospekt im Zentrum der Stadt. In Kommunistischer Zeit war ein Schwimmbad in der Kirche untergebracht. Nachdem die Kirche wieder den rechtmäßigen Besitzer erhielt, war es eine unheimlich schwere Arbeit, dem Raum seinen Ursprung wieder zu geben. Im Erdgeschoss der Kirche, wo einst das Schwimmbad war, sind nun Büroräume des Bischofsamtes eingerichtet und im Obergeschoss die eigentliche Kirche. Obwohl die Generalsynode anstand, zu der Bischöfe, Pröbste und Pastoren aus ganz Russland, sowie europäischen als auch asiatische anreisten, nahm sich Erzbischof Edmund Ratz zeit für uns. Wir besichtigten die Ausstellung: „Deutsches Leben in Sankt Petersburg“ und Erzbischof Ratz erzählte uns unter anderem über das Thema der diesjährigen Generalsynode: „Grenzüberschreitende Gemeinschaft“. Das passte ja nur zu gut, zu unserem Vorhaben.

Die Reisgruppe vor dem Winterpalast in Sankt Petersburg

Eine Siebenbürgerin in Moskau

Von den Gräbern der Zaren auf der Petersburg ging es dann zum Lenin – Mausoleum nach Moskau. Unweit vom Kreml, der alten Befestigung Moskau, vor dessen Tore die Bolschewistischen Führer begraben liegen, befindet sich auch die Evangelisch – Lutherische Peter- und Pauls Kathedrale. In kommunistischer Zeit befand sich ei Dia-Film Studio drinnen. Frau Schweizer, die Amtsleiterin der Gemeinde, deren Arbeit wir auch unser russisches Visum zu verdanken haben, nahm uns in Empfang. Frau Schweizer, eine gebürtige Siebenbürgerin, ist mir ihrer Familie als fünfjährige vor der Roten Armee im Krieg nach Österreich geflohen. Arbeitsverhältnisse brachten sie schließlich nach Moskau.

Wir kamen pünktlich zum Abendessen an, wo schon die Pastoren aus den weiten Gebieten aus Russland angereist sind, um dann weiter geschlossen mit dem Nachtzug zur Generalsynode zu fahren. So lernten wir zum Beispiel Probst David Davidowitsch Röhrig kennen. Gleich nachdem der Grundstein der russischen evangelischen Kirche durch Bischof Kalnins gelegt wurde, der die Zeichen der Zeit, also der Perestroika, erkannte, besuchte Röhrig das Theologische Institut in Hermannstadt. In einem Intensivkurs wurden ihm die Grundlagen der Theologie beigebracht. Nun betreut er die Gemeinde im Ural, mit Hauptsitz in Perm. Die Gemeinden in seinem Kirchspiel liegen in einem Umkreis von 1000 km. Manche Lada musste auf den Gemeindebesuchen ihren Geist aufgeben. Ein weiterer Pastor den wir kennen lernten, Segej Wertholz ist als Russlanddeutscher in den neunziger Jahren nach Deutschland ausgewandert. Aber da hielt ihn nichts. Vier Tage lang musste er ununterbrochen unterwegs sein, um Urlaub an seinem Geburtsort im Ural zu machen. Nun dient er als Pastor in den Gemeinden von Baschkirien, im Südural.

Unsere letze Station Moskau hat viele Eindrücke hinterlassen, vor allem positive. Wir durften spüren, dass wir willkommen sind und das für unser Taufbecken aus Siebenbürgen ein Platz in der Kathedrale frei gehalten wird. Von unserer Seite wurde auch das Angebot in den Raum gestellt, eine Gruppe von Jugendlichen der EKRAS, seien diese nun aus Königsberg, Sankt Petersburg, Moskau oder aus dem Ural in Wolkendorf zu empfangen und zu beherbergen. Über Kiew ging es dann wieder nach Hause ins vertraute Siebenbürgen.

Die Reise nahm nach langen 6000 km ihr Ende, aber nicht die Ostbegegnung. Wir haben einen großen Schritt gewagt um Leute und ihre Umstände kennenzulernen. Wir haben feststellen können, dass im Osten nicht die althergebrachten Strukturen herrschen, da diese Kirche eine Neugründung erlebt hat. Zur Zeit hält noch die EKD ihre schützende Hand über diese junge Kirche. Welchen Beitrag könnten wir aus Siebenbürgen leisten?

Ich hoffe, dass die Ostbegegnung mit Gottes Hilfe auch weitere Früchte tragen wird. Schlussfolgernd möchte ich den Gedanken ausdrücken, dass gerade auch wir als nächste „Nachbarn“ gefragt sind Hilfe an die Glaubensgenossen im Osten weiter zu geben, sei es nun ein Taufbecken, ein Jugendaustausch oder eine Partnerschaft mit einer Gemeinde im Ural…

“Krasnaja Ploshad” Der rote Platz

Mit Frau Schweizer vor dem Portal der Pauluskirche. Da soll das Taufbecken seinen Platz finden.

Über den finnischen Meerbusen nach Helsinki

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